Moderner Feminismus ist Egomanie
Die Fürsorgeethik (Care Ethics) wird in der Moralphilosophie und Psychologie klassischerweise eher Frauen zugeschrieben – nicht Männern. Das geht vor allem auf die US-Psychologin Carol Gilligan zurück (ihr Buch Die andere Stimme von 1982, auf Deutsch 1991). Männer würden eher zu einer Gerechtigkeitsethik (Justice-Ethik) tendieren, z.B. durch klare Regeln, Rechte, abstrakte Prinzipien, Hierarchien, Fairness im Sinne von Gleichbehandlung. Carol Gilligan beschreibt in „In a Different Voice“ (1982) die Fürsorgeethik als typischere moralische Orientierung von Frauen: Moral dreht sich um Beziehungen, Verantwortung für konkrete Personen und Vermeidung von Schaden.
In der Feminismus-Kritik wird die Verknüpfung „Fürsorgeethik bei Frauen = Egomanie“ kritisch betrachtet. Kritiker wie Jason Gregory („Foundations for a Pro-Male Ethics“, 2014) werfen feministischen Philosophinnen (Gilligan, Virginia Held, Seyla Benhabib u. a.) vor, die Fürsorgeethik gezielt zu missbrauchen:
• Sie stelle Männer als narzisstische, beziehungsunfähige Egoisten dar („Patriarchat = männlicher Egoismus“), während die weibliche „Care“-Perspektive als moralisch überlegen gefeiert werde.
• In Wirklichkeit diene diese Ethik weiblichem Macht- und Eigeninteresse: Frauen nutzten die „relationale Verantwortung“ im privaten Bereich (Mutter-Kind, Partnerschaft), um Männer emotional auszubeuten, während sie gleichzeitig von männlichen Leistungen im öffentlichen Bereich profitierten (Hypergamie, Scheidungsrecht, emotionale Arbeit).
• Die Fürsorgeethik werde damit zur „versteckten Egomanie“: Sie tarne weibliche Selbstbezogenheit als Moral und entlaste Frauen von universaler Verantwortung.
Eine andere Feminismus-Kritik kommt aus linken oder materialistischen Ecken: Hier wird dem liberalen Feminismus vorgeworfen, die Fürsorgeethik zu verraten und in puren Egoismus (Self-Care, „toxische Beziehungen abwerfen“, Null Verantwortung für andere) zu verwandeln. Statt kollektiver Fürsorge werde „Selbstermächtigung“ propagiert – das sei kein Feminismus, sondern kapitalistischer Individualismus.
Auch Alice Schwarzer kritisiert moderne Feministinnen scharf – und sieht im heutigen Feminismus oft einen Verrat am „echten“ Frauenrecht. Die 83-jährige Ikone des zweiten Welle-Feminismus (EMMA-Gründerin seit 1977) positioniert sich seit Jahren als Hüterin eines radikalen, frauenzentrierten Feminismus. Sie wirft dem „modernen“ (vor allem queeren, intersektionalen und „woke“) Feminismus vor, die eigentlichen Frauenrechte zu verwässern oder sogar zu untergraben. Das passt zu der Diskussion über Fürsorgeethik vs. Egomanie: Schwarzer sieht im aktuellen Feminismus weniger kollektive Verantwortung für Frauen (Care) und mehr individuellen Ego-Trip, Schönheitswahn und Ideologie.
Schwarzer nennt dies das Gegenteil des echten Feminismus. Statt Patriarchat und biologische Realität zu bekämpfen, werde das biologische Geschlecht „fundamental geleugnet“. Sie kritisiert Judith Butler und Gender Studies scharf: Das sei reines Gedankenspiel, das als Realität verkauft werde. Trans-Ideologie (besonders bei Jugendlichen) sei ein „Trend“, der vor allem Mädchen schadet, Frauenräume gefährdet und die Selbstbestimmung von biologischen Frauen aushebelt. Sie hat 2022 das Buch Transsexualität – Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? mit herausgegeben und verteidigt strikt binäre Biologie bei gleichzeitiger kultureller Rollenvielfalt.
Den Begriff „Empowerment“ kann sie nicht mehr hören – sie sagt wörtlich: „Wenn ich den Begriff Empowerment nur höre, muss ich schon kotzen.“ Statt kollektivem Kampf für Rechte gehe es vielen jungen Feministinnen um individuelles „Sich-selbst-verwirklichen“, Schönheitsideale und Influencer-Lifestyle. Sie wirft ihnen vor, dass sie sich „dünn, glatt, schön“ trimmen lassen und „total verblöden“. Sozialen Medien sieht sie als Verstärker eines Rollbacks zu „vorgestrigen“ Frauenbildern (Duckface, Diäten, Aufspritz-Lippen).
Schwarzer bestätigt damit, dass es moderne Feministinnen vor allem um sich selbst geht und dass die angebliche Fürsorgeethik, die Frauen zugesprochen wurde, in Wirklichkeit gar nicht besteht, sondern allenfalls als Alibi für deren egomanen Selbstverwirklichung dient.








